Meine Touren...
...hier möchte ich Euch ein paar meiner selbstgefahrenen Touren vorstellen. Klar, wenn man die schwäbische Alb vor der Haustüre hat ist es sozusagen das eigene Revier. Ich kann wirklich nur jedem empfehlen, solltet Ihr mit dem Motorrad mal hier in der Gegend sein, nehmt Euch so ein / zwei Tage Zeit und erkundet die schwäbische Alb.
Die Alb – ein Traum
Eine Tour auf der Schwäbischen Alb gleicht einer Entdeckungsreise. Imposante Schlösser, bröckelnde Ruinen, idyllisches Fachwerk, aber auch viel Spannendes zum Thema Motorrad lässt sich dort finden.
Die Schwäbische Alb mit ihrem sehr gut ausgebauten Straßennetz durch dünn besiedelte, waldreiche Gegenden und liebliche Dörfer, ihren kurvenreichen, langen Auf- und Abstiegen sowie den geschwungenen Hochflächenstrecken bietet sich ideal für kurze und lange Motorradtouren aller Ansprüche an.« Dieser Satz macht einfach neugierig. Gefunden hatte ich ihn in einem der 780.000 Wikipedia-Artikel im Internet. Und wenn sich schon die große freie Enzyklopädie dieses Hinweises nicht enthalten kann, dann ist es sicher einen Versuch wert, diesem Tipp einmal auf den Grund zu gehen.
Wenige Tage nach meinem literarischen Fund verlasse ich auf meiner BMW Reutlingen. Das selbst ernannte »Tor zur Schwäbischen Alb« gilt als der ideale Einstieg und tatsächlich fackelt die Alb nicht lange, dem motorisierten Zweiradfahrer ihre guten Seiten aufzudrängen. Kaum liegt die Stadtgrenze hinter mir, finde ich mich zwischen Bergspitzen, Ruinen und Höhenzügen wieder, die Gutes verheißen. Hinter Gönningen, nur wenige Minuten jenseits des »Alb-Tores« gesellen sich dann auch die passenden Kurven dazu. Dem Verlauf eines der vielen kleinen namenlosen Bäche folgend, schlängelt sich der Asphalt durch satte Wiesen, goldgelbes Getreide und dunkle, waldige Abschnitte. Die ersten Skianlagen und -lifte huschen an mir vorbei.
Und kaum komme ich auf Tour, werde ich schon wieder eingebremst. Als alter Burgenliebhaber muß ich natürlich einen Blick auf Schloss Lichtenstein werfen. Das streckt sich seit über 600 Jahren bei Großengstingen trotzig in den Himmel. Mit Recht, schließlich wurde es nie erobert, konnte alle Angriffe abwehren. Die martialischen Gerätschaften, die dabei im Kampf eingesetzt wurden, kann man heute in der Waffenhalle bestaunen. Königszimmer, Wappenzimmer, Erkerzimmer, alle gefüllt mit spannenden Exponaten und Geschichten. Überhaupt ist die Schwäbische Alb voller Überraschungen, die besucht oder besichtigt sein wollen. Nur wenige Kilometer weiter lockt die Bärenhöhle, gleich darauf die Sommerrodelbahn, Skilifte, Feriendörfer.
Entlang der Hohenzollernstraße kurve ich weiter gen Süden, werfe mich in die nächsten Kehren, rolle auf einmal nordwärts und nur wenig später erneut der Sonne entgegen. Rund 900 Meter hoch sind die Bergkuppen, um die ich hier einen wilden Slalom fahre. Kornbühl, Bühlberg, der Raichberg mit fast 1000 Metern.
Kurz bevor ich den Raichberg mit seinem Aussichtsturm erreiche, fliege ich im kleinen Örtchen Hausen an einem Schaufenster voller alter Motorräder vorbei. So eben erkenne ich im Augenwinkel noch die Schätzchen hinter Glas, bremse und rolle staunend auf dem Bürgersteig aus. Prächtig renovierte NSUs reihen sich auf engem Raum, dazwischen eine alte Hercules, diverse Mopeds und Roller. Glück gehabt, in der Werkstatt gleich nebenan schraubt Egon Flad gerade an einem seiner Glanzstücke. Ihm gehören alle diese Zweiräder, und voller Stolz und Begeisterung erzählt mir der Sammler und Schrauber des Jahrgangs 1930 von seiner Werkstatt, von sich und seinem Hobby und versorgt uns auch gleich mit ein paar guten Tipps zur Region.
So komme ich schließlich auch auf die Kuppe des Raichbergs, genießen den fantastischen Blick vom 22 Meter hohen Raichbergturm, um dann in kräftigen Schwüngen der Burg Hohenzollern entgegenzurollen. Dieses kolossale Märchenschloss kann sich durchaus mit Neuschwanstein und anderen Prunkstücken messen und gehört zu den schönsten und meistbesuchten Burgen Europas. Will man jeden Winkel der Burg erkunden, kann man locker einen ganzen Tag in dem Stammsitz der Hohenzollern verbringen.
Lusthof und Kettenacker lassen eher auf lustvolle Spielchen als schwäbische Gemütlichkeit schließen
Über Bisingen, Stich, hinunter zur B 463 geht es entlang glitzernder, plätschernder Bäche. Balingen bietet sich für eine Tasse Kaffee, ein zweites Frühstück oder einen Blick ins Zollernschloss an. Und dann ... dann steht man als Motorradfahrer am Wochenende vor einem Sperrschild. Die wahrlich traumhafte Strecke um den 964 Meter hohen Lochenstein nach Tieringen ist dann und an Feiertagen für motorisierte Zweiradfahrer gesperrt. »Hirnlose Idioten haben es mal wieder geschafft!« Der Kommentar zum Thema in einem Internetforum entbehrt nicht ganz einer Grundlage. Die Sperrung war nur die logische Konsequenz der lebensverneinenden Fahrweise des einen oder anderen Heizers und der daraus resultierenden Unfälle. Gut, dass ich unter der Woche hier bin, also genieße ich die fantastische Route, treffe bald auf die Schwäbische Albstraße, winke im Vorbeifahren dem Dreifaltigkeitsberg zu und strande bei Tuttlingen an der Donau.
Heimatmuseum, Ruine Homberg, Donauversickerung, Kolbinger Höhle, Freilichtmuseum, und, und, und... Auch entlang der Donau ist die Schwäbische Alb ein einziges großes Freizeitparadies. Steile Felswände, weiß und grau glänzender Karst, sattgrüne Wiesen und Weiden, imposante Klöster, Kirchen und beschauliche Weiler säumen den Weg. Aber die Schwäbische Alb scheint auch das Land der Radarkontrollen und Starenkästen zu sein. Auch die säumen den Asphalt, und wer neben dem Blick in die Landschaft den kurzen Sichtkontakt zu seinen Instrumenten vergisst, bekommt ruckzuck ein nettes Einschreiben aus der Alb – Urlaubserinnerungen der eher ungeliebten Art.
Burgruinen geleiten mich entlang der Donau nach Sigmaringen, und kurz vor dem netten Städtchen fällt mein Blick auf ein kleines Hinweisschild: »Zündappmuseum«. Klar, auch hier kann ich nicht widerstehen und biege ab. Nur wenige Meter, dann rolle ich vor einem riesigen Glaspalast aus. Hier lockt neben der Braustätte des leckeren Zoller Hofbieres das gerade erst aufgebaute und eingeweihte Zündappmuseum. Dutzende wie neu aussehende Zündapps stehen neben Nähmaschinen und Außenbordmotoren der Traditionsmarke. Der Sammler Adolf Mattes hat in den vergangenen Jahren fast alle Modelle von Zündapp zusammengetragen und präsentiert in der mächtigen Halle, gleich neben der gläsernen, nagelneuen Abfüllanlage der Brauerei, einmalige Schätze. Bei der Eröffnung vor wenigen Wochen ließ es sich Ministerpräsident Günter Oettinger nicht nehmen, selbst von einem der Zweiräder zu strahlen. Erstaunlich, wollte er doch vor nicht allzu langer Zeit noch das Motorradfahren aus Sicherheitsgründen gänzlich verbieten.
In der Brauerei-Gaststätte nebenan gönne ich mir eine schwäbische Spezialität, Maultaschensuppe. Nur das Zoller Bier verschwindet mit Rücksicht auf die Promille als Flasche im Seitenkoffer.
Die Hohenzollernstraße führt mich ab Sigmaringen wieder in den Norden. Über die B 32 geht es gut ausgebaut und kurvenreich nach Gammertingen. Mit der Hohenzoller’schen Landeseisenbahn und diversen Bächen teile ich mir das Tal, biege dann auf die Deutsche Alleenstraße ab und rolle dort durch die Schatten unzähliger dichter Laubbäume. Denkwürdige Ortstafeln tauchen auf. Lusthof und Kettenacker lassen eher auf abwechslungsreiche Spielchen als auf schwäbische Gemütlichkeit schließen. Während ich noch über die Bedeutung des Ortsnamens Upflamör nachdenke, passiere ich ein nicht minder nachdenklich machendes Schild. »Großes Lautertal – Bitte langsam und leise fahren – sonst droht Fahrverbot!« Aha, hier also auch. Bleibt nur zu hoffen, dass die folgende fantastische Strecke entlang der Großen Lauter nicht auch noch durch Raser der Masse der Motorradfahrer vorenthalten wird.
Das wäre wirklich schade, denn die vielen Kilometer bis hinauf nach Münsingen sind mit das Schönste, was die Alb dem Motorradfahrer bietet. Idyllische Landschaft, Wald und blühende Wiesen, Auen und rauschendes Wasser begleiten mich zwischen den rechts und links aufsteigenden Felswänden und Waldhängen. Dass es an Kurven nicht mangelt, versteht sich von selbst. Echte Naturfreunde, die auch mal ein paar Meter zu Fuß gehen, finden übrigens auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen gleich nebenan ein einmaliges Areal, das seit zwei Jahren der Öffentlichkeit zugänglich ist. Wacholderheide, geheimnisvolle Schluchtwälder und ausgediente Schießbahnen bieten ein seltenes Wanderund Naturerlebnis.
Münsingen, das bildschöne Bad Urach, St. Johann, Eningen – die Alb gibt noch mal alles, glänzt mit Aussichten und herausfordernder Strecke. Zu Füßen der Hohen Warte stürzt sich der Uracher Wasserfall in die Tiefe, und die Deutsche Alleenstraße zeigt aufs Neue ihr grünes Haupt. Ein gelungenes Finale, das mich schließlich zurück nach Reutlingen führt und erneut das »Tor zur Schwäbischen Alb« passieren lässt.
Zartbitter
Eine Motorradtour über die Schwäbische Alb bietet alles: herrliche Kurvenstrecken zwischen bizarren Felsen und mystischen Burgen ebenso wie Wege an Sonnenblumen und Orchideen entlang.
»Heiligs Blechle, des war guat!« So in etwa würde sich wohl ein motorradfahrender Schwabe ausdrücken, wenn er aus dem kurzen Tal zwischen Bermaringen und Blaubeuren-Asch kommt. Dazu ist im Grunde nichts hinzuzufügen. Außer, daß es von dieser Sorte Kurvengewimmel in den Höhen der Schwäbischen Alb eine ganze Menge gibt.
Im fachwerkdurchsetzten Blaubeuren jedoch geht es erst mal um die Tiefen dieses Mittelgebirges, dessen erosionsanfälliger Karstuntergrund von einem adrigen Höhlensystem wie Schweizer Käse durchzogen ist. Der Blautopf, ein rund fünfzehn Meter durchmessender Teich beim Blaubeurer Kloster, ist das offene Ende einer solchen Ader. Jahrelang war die legendenumwobene Quelle Forschungsobjekt des Höhlentauchers Jochen Hasenmayer. In einer waghalsigen Expedition ist er durch dieses »blaugrüne Auge der Erde« 1250 Meter weit gegen den Strom des Wassers vorgedrungen und hat etwas Licht in den Mythos Blautopf gebracht. Mich schaudert vor so viel Mut, als ich beim Anblick dieses kleinen Tümpels davon erfahre. Ich erlebe die Alb lieber auf der Sitzbank meiner BMW K1200R.
Ein paar schwungvolle Serpentinen steigen von Blaubeuren hinauf nach Beiningen. Dann geht es rechts ab nach Schelklingen und durch die Lutherischen Berge Richtung Münsingen hinüber ins Tal der Lauter. Das zählt zu den erklärten Lieblingszielen von Wanderern, Bootsfahrern und auch Motorradfahrern. Die ersten schwärmen von der lieblichen Landschaft, die zweiten nutzen die träge dahinfließende Große Lauter, um in gemieteten Kajaks Kapitän zu spielen, und die dritten genießen die kurvenreiche Strecke hinunter zur Wimsener Höhle. Auch die steht unter Wasser, aber gegen einen kleinen Obolus kann sie per Holzkahn befahren werden. Ein schaurig-schöner Ausflug in die Welt der Finsternis. Nach einer kurzen Rast im Gasthof Friedrichshöhle lockt, direkt über dem Eingang zur Wimsener Höhle, ein winziges Sträßchen, das auf die Zwiefalter Alb hochklettert und in der Stille der Waldlandschaft zu gemächlichem Motorradwandern verführt. Ein Stück weiter südlich bildet die Donau die natürliche Südgrenze der Schwäbischen Alb. Zwischen Sigmaringen und Tuttlingen hat sie sich tief in den Kalksandstein gegraben, an dessen steilen Wänden und Felsnadeln sich Wochenende für Wochenende die Freikletterer messen.
Nach den weiten Bögen am Flußlauf entlang steigert sich die Strecke hinter Kloster Beuron zur wilden Kurvenhatz und steigt über einen Bergrücken hinüber nach Fridingen. Nur zwei Kilometer vom Fridinger Stadtkern entfernt schafft die Donau etwas, was man dem zweitgrößten Strom Europas kaum zutrauen würde: Ein Großteil ihres Wassers versickert hier im Untergrund, um rund zwölf Kilometer weiter südlich, in Aach, als wasserreichste Quelle Deutschlands wieder an die Oberfläche zu treten und über den Rhein in die Nordsee zu fließen. Der Rest, der nicht versickert, schaukelt im Flußbett gemächlich hinunter ins Schwarze Meer. In diesem südwestlichsten Teil der Schwäbischen Alb kratzen die Hügelkuppen knapp an der Tausendmetermarke. Dazwischen verbergen sich zahlreiche gute, spannende Motorradstrecken. Eine davon schlängelt sich über Kolbingen hinauf nach Bubsheim und wieder hinunter nach Dürbheim, von wo sich die Abstecher über Stichstraßen zum Dreifaltigkeitsberg und zum Klippeneck schon allein wegen der Aussicht lohnen. Den einen verehrten bereits Kelten, Römer und Franken als »Heiligen Berg«, den anderen erst die Segelflieger. In nordöstlicher Richtung ragen weithin sichtbar die Türme der Burg Hohenzollern gen Himmel. Der märchenhaft anmutende Prunkbau, Stammsitz des letzten deutschen Kaisergeschlechts, lockt jährlich eine halbe Million Besucher auf 855 Meter Höhe. Nicht weit davon, nahe des verspielten Schrebergartenschlößchens Lichtenstein, ruft aber schon wieder die Unterwelt. Für die größten Tropfsteinhöhlen der Alb, die Nebelhöhle und die Bärenhöhle, sind weder Taucherausrüstung noch Boot nötig. Sie können zu Fuß besichtigt werden. In der Bärenhöhle gibt es tatsächlich noch Skelette des Tieres, das diesem bizarren, jahrtausende alten Kalkstollen seinen Namen gab.
Noch älter dürften die Funde sein, die im Urweltmuseum Hauff in Holzmaden ausgestellt sind. Als die Versteinerungen von Ichthyosaurier, Flugsaurieren und Krokodilen noch etwas lebendiger waren, wäre eine Trialmaschine bestimmt praktischer gewesen, um die Schwäbische Alb zu erkunden. Auf der kurven- und burgenreichen Straße der Staufer jedoch, südlich an Schwäbisch Gmünd vorbei, kommt auch die "K" gut zurecht. Letztes Etappenziel ist die Ostalb mit ihren herben Tälern, markanten Felsformationen und schmucken Barockkirchen. Hinter Heidenheim erstreckt sich das Härtsfeld, ein karger, zu früheren Zeiten eher unbeliebter Flecken Erde. Steiniges Ackerland stand nie hoch im Kurs. Inzwischen aber gedieh das Härtsfeld zum Eldorado für Naturliebhaber. Neben Wachholder wachsen hier sogar Orchideen. In Nördlingen endet die Tour. Das gehört zwar streng genommen bereits zum Ries, aber erstens zählt es zu den besterhaltenen, mittelalterlichen Städten in Deutschland, zweitens ist es heuer 1100 Jahre alt geworden, und drittens gibt es in Nördlingen eine ganze Menge guter Kneipen, in denen sich dieser runde Geburtstag gebührend feiern läßt.



